Indikationen

Von einer Ionentherapie profitieren Patienten, deren Tumor mit herkömmlicher Strahlentherapie nicht ausreichend behandelt werden kann bzw. bei denen der Tumor in der Nähe von strahlenempfindlichem, gesundem Gewebe lokalisiert ist. Die Partikeltherapie gilt bei vielen Indikationen als grundsätzlich etabliert und wird in zahlreichen Fällen routinemäßig angewendet. Mehr als 170.000 Patienten wurden weltweit bereits mit Partikeltherapie behandelt - mit ausgezeichneten Resultaten. Unser Wissen, welche Krankheitstypen und Patientengruppen von der Partikeltherapie einen Nutzen haben, nimmt kontinuierlich zu.

Nachfolgend aufgelistet finden Sie jene Indikationen, die derzeit bei MedAustron überwiegend behandelt werden. Da sich unser Behandlungsspektrum laufend erweitert, bitten wir Sie zur Abklärung jedenfalls mit uns Kontakt aufzunehmen.

Hinweis: Ionentherapie und Partikeltherapie werden in den Beschreibungen synonym verwendet.

    Beckentumore

    Verschiedene Beckentumore sind sinnvolle und empfohlene Indikationen für die Ionentherapie: Bei Sakralchordomen, Weichteilsarkomen und osteogenen Sarkomen, bei denen hohe Gesamtstrahlungsdosen für die lokale Tumorkontrolle zwingend erforderlich sind, ist die Minimierung der Dosen für die gesunden umliegenden Gewebe und Organe (z.B. Nervensystem, Magen-Darm-System, Urogenitalsystem) ein großes Thema: Mit der günstigen Dosisverteilung von Ionenstrahlen (Protonen und Kohlenstoffionen) kann eine bessere Schonung dieser Organe erreicht werden. Dies führt direkt zu einer Reduzierung der Wahrscheinlichkeit schwerer Nebenwirkungen.

    Lokale wiederkehrende Tumore (z.B. Darmkrebs, gynäkologische Malignome) mit oder ohne Vorbestrahlung sind typische Indikationen für die Ionentherapie. In diesen Situationen profitieren die Patienten in hohem Maße von den physikalisch-technischen Eigenschaften der Ionenstrahlen im Hinblick auf eine starke Begrenzung der Nebenwirkungen.

    Unter Berücksichtigung aller mit Protonentherapie bestrahlten Tumore ist der nicht-metastatische Prostatakrebs aller Risikogruppen die am häufigsten behandelte Entität innerhalb der letzten 25 bis 30 Jahre. In jedem Land, in dem es Protonentherapiezentren gibt, werden Prostatakrebspatienten mit Protonen behandelt. Bei MedAustron können wir Protonentherapie bei Prostatakrebs anbieten, basierend auf den bestehenden internationalen Langzeitbeweisen.

    Aufgrund technischer Einschränkungen können wir derzeit keine Behandlungen sehr großer Volumina anbieten (z.B. high risk Prostatakrebs mit einer Indikation zur Bestrahlung der Lymphwege), da die tägliche Bestrahlungszeit für den einzelnen Patienten unangemessen lang ist. Mit der kontinuierlichen technischen Verbesserung werden diese Behandlungen aber auch in naher Zukunft möglich sein.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es eine große Vielfalt an verschiedenen Beckentumoren gibt, die von einer Protonen- oder Kohlenstoffionentherapie profitieren.

    Für weitere Auswertungen und detaillierte Informationen zu Ihrer individuellen Situation stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

     

    Tumore im oberen Gastrointestinalbereich

    Im Rahmen der onkologischen multimodalen Behandlung spielt die Strahlentherapie bei ausgewählten Fällen des Pankreaskarzinoms eine wichtige Rolle. Die Vorteile sind: Reduzierung der Tumorgröße und damit die Operationsfähigkeit der Krankheit, Konsolidierung der allgemeinen onkologischen Behandlung nach der Operation und als endgültige onkologische Behandlung in Kombination mit Chemotherapie.

    Die Partikeltherapie kann im Vergleich zur Photonentherapie eine viel höhere Dosis anwenden, ohne die gefährdeten empfindlichen Organe wie Dünndarm (insbesondere Duodenum), Magen, Leber, Milz und Nieren zu beeinträchtigen.Daher kann die Partikeltherapie bei präoperativer, postoperativer und definitiver Bestrahlung mit potenziellen Vorteilen gegenüber der Photonentherapie eingesetzt werden. Darüber hinaus kann die Re-Bestrahlung eines isolierten lokalen Rezidivs von Bauchspeicheldrüsenkrebs mit einer Partikeltherapie durchgeführt werden, obwohl sie selten als Indikation in der Photonenstrahlentherapie angesehen wird.

    Andererseits bietet die Behandlung mit der Partikeltherapie bei disseminierten Krankheiten (metastasierten Patienten) keine Vorteile gegenüber Photonen, da die symptomatische Wirkung niedrigere Dosen erfordert und durch beide Modalitäten gleichermaßen gut erreicht werden kann. Dennoch kann es angesichts der Gewebeinhomogenität, die sich aufgrund der Darmbewegung und der durch die Atmung verursachten Organbewegungen ständig ändert, sehr schwierig sein, die Dosis abzugeben.

    Es gibt viele verschiedene Modalitäten (Chirurgie, trans-Katheter arterielle Embolisation=TAE, Radiofrequenzablation=RFA, Lebertransplantation), die erfolgreich hepatozellulären Krebs behandeln können und die Partikeltherapie bietet in ausgewählten Fällen eine ausgezeichnete Alternative, die eine erstaunliche lokale Kontrolle (mehr als 80% nach 5 Jahren) mit geringer Toxizität bietet. Die Partikeltherapie ist sicher, effektiv und nicht-invasiv, so dass diese Methode für die Behandlung weniger günstiger Fälle wie ältere Patienten und große Tumore, Portalvenenthrombosen und schlechte Leberfunktionen geeignet ist. Die Wahl des Fraktionierungsplans sollte auf der Nähe der dosisbegrenzenden Strukturen wie GI-Trakt und Porta hepatis beruhen.

     

    HNO-Tumore

    Tumore im Kopf-und-Hals Bereich stellen eine große behandlungstechnische Herausforderung dar: aufgrund der Nähe vieler Organe ist eine Operation mit Aussicht auf Totalentfernung des Tumors insbesondere im Bereich der Nasenhöhle, Nasennebenhöhlen und des Nasenrachens oft nicht möglich. Zugleich gelten diese Tumore als strahlenresistent (d.h. eine vergleichsweise hohe Dosis ist nötig, um den Tumor zu heilen).

    Daher stellt oft die Strahlentherapie die einzige kurative Option für den Patienten dar. In unmittelbarer Nähe der Tumore befinden sich jedoch viele strahlenempfindliche Organe (wie z.B. der Hirnstamm, das Rückenmark, die Sehnerven und die Sehnervkreuzung, die Speicheldrüsen etc.). Daher besteht bei der herkömmlichen Bestrahlung die Möglichkeit, dass die Toleranzdosen dieser Organe (d.h. die Dosen, bei denen das Risiko einer ernsthaften Schädigung des Organs nicht als möglich betrachtet wird), bei der Behandlung überschritten werden.

    Sollte dies der Fall sein, können diese Organe einen ernsten dauernden Schaden erleiden. Die Konsequenzen dieses Schadens wären ernsthaft, wie z.B. Lähmung bei Schädigung des Rückenmarks, Sehverlust bei Schädigung des Sehapparats usw. Die Protonentherapie wird bei Tumoren der Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen sowie auch des Nasopharynx (=Nasenrachen) eingesetzt, um die Dosis, im Bereich der strahlenempfindlichen Organe in der Umgebung des Tumors so sehr wie möglich zu reduzieren und somit das Risiko für ernste späte Nebenwirkungen zu reduzieren.

    Die Protonentherapie wird ebenfalls bei Tumoren der Speicheldrüsen eingesetzt, da diese als extrem strahlenresistent gelten und eine extrem hohe Dosis für eine erfolgreiche Bekämpfung des Tumors nötig ist. Auch in diesem Fall werden die gesunden Organe und Gewebe in der Umgebung durch die vorteilhaftere Dosisverteilung der Protonen besser geschont.

    Eine Verringerung des Risikos für ernste späte Nebenwirkungen bedeutet für die Patienten eine bessere Lebensqualität mit bedeutend weniger ernstzunehmenden Symptomen, die das alltägliche Leben beeinträchtigen könnten.

     

    Pädiatrische Tumore

    Protonentherapie ist indiziert in der Mehrzahl aller soliden Tumore des Kleinkindes-, Kindes- und Jugendalters, bei denen eine Radiotherapie Teil des Therapiemanagements ist. Protontherapie kann unnötige Bestrahlung von umliegenden Organen und Geweben, die sich noch in der Entwicklungsphase befinden, deutlich reduzieren oder zum Teil komplett vermeiden. Beispiele für Indikationen (keine komplette Auflistung): Hirntumore (=ZNS Tumore), z.B. Ependymome, Kraniopharyngiome, Gliome des optischen Nerven / optischen Chiasma, Medulloblastome, aggressive, neuroepitheliale Tumore, und andere. Schädelbasistumore, z.B. Chordome, Chondrosarkome. Benigne und maligne Tumore des Kopfhalses. Rhabdomyosarkome des gesamten Körperbereichs, Tumore, die die Orbita involvieren, Retinoblastome, Hodgkin‘s Lymphome, Ewing’s Sarkome, osteogene Sarkome, etc.

    Auch Kleinkinder, die für die Behandlung Sedierung oder Anästhesie benötigen, werden bei MedAustron behandelt. MedAustron kollaboriert mit der pädiatrischen Neuro-Onkologie und Neurochirurgie der Universität Wien (Allgemeines Krankenhaus, AKH) als auch mit dem St. Anna Kinderspital in Wien, um eine Kontinuität der pädiatrisch-onkologischen Versorgung und Integrierung mit krankheitsabhängiger, notwendiger Chemotherapie oder anderweitiger systemischer Therapie zu gewährleisten.
    Bei selektiven Tumoren wird die Behandlung erst in der Zukunft angeboten werden können, aufgrund der derzeitigen Weiterentwicklung der technischen Funktionalität (Details auf Anfrage).

     

    Re-Irradiatio

    Die Wiederbestrahlung ist die Durchführung einer Strahlentherapie in einem bereits bestrahlten Bereich.
    Die Partikeltherapie kann das Volumen von Nichtzielgewebe, das mittlere und niedrige Dosen erhält, deutlich reduzieren. Dieser Vorteil kann bei Erstbehandlungen mehr oder weniger wichtig sein, wird aber für die Re-Bestrahlung viel relevanter, da sich die zuvor bestrahlten Organe an die erhaltene Dosis "erinnern" und somit einem höheren Risiko für strahlungsinduzierte Toxizität ausgesetzt sind. Die Partikeltherapie ist ein ideales Instrument zur Re-Bestrahlung.

    Eine erneute Bestrahlung kann notwendig sein, entweder weil ein zuvor bestrahlter Tumor durch die erste Bestrahlung nicht vollständig abgetötet wurde und somit wieder zu wachsen beginnt (lokale Progression oder lokales Rezidiv), oder weil sich ein neuer, anderer Tumor in einem Bereich entwickelt, der zuvor für eine ganz andere Krankheit bestrahlt wurde. Der erste Fall tritt typischerweise mehrere Monate bis wenige Jahre nach der ersten Strahlentherapie auf, der zweite kann auch Jahrzehnte nach dem ersten Bestrahlungsgang auftreten. Der neue Tumor kann sich in der Mitte des zuvor behandelten Bereichs (im Feldbereich) oder am Rand des zuvor behandelten Bereichs (am Feldrand) befinden. Die Bestrahlung eines neuen Tumors in einem anderen Organ gilt nicht als erneute Bestrahlung (z.B. ein Patient, der eine Strahlentherapie für einen Brustkrebs erhalten hat und anschließend für ein Meningeom im Schädel bestrahlt werden muss, gilt nicht als Wiederbestrahlungsfall).

    Die Wiedereinstrahlung kann entweder mit kurativer oder palliativer Absicht erfolgen. "Heilen" bedeutet, dass eine hohe Dosis an Strahlung angewendet wird, um eine langfristige Kontrolle sowohl der makroskopischen als auch der mikroskopischen Komponente des Tumors zu erreichen. "Palliativ" bedeutet, dass eine niedrigere Dosis abgegeben wird, um die Symptome zu kontrollieren (wie Schmerzen, Blutungen, Kompression von Gefäßen oder neuronalen Strukturen oder Stenosen von Hohlorganen) und die durch den Tumor verursachten Risiken (pathologischer Knochenbruch) zu verhindern. In den gleichen Fällen, wie z.B. wenn mehrere entfernte Läsionen vorhanden und nicht kontrolliert sind, kann eine kurative Wiederbestrahlung für den Patienten ungünstig sein, während eine palliative Wiederbestrahlung die Lebensqualität deutlich verbessern kann.

    Der erste Zyklus der Strahlentherapie führt immer zu Schäden, die klinisch ersichtlich sind oder nicht. Ein zuvor bestrahltes Organ kann im zweiten Verlauf der Strahlentherapie eine geringere Dosis vertragen, da ein Teil seiner Toleranz bereits erschöpft ist. Die Wiedereinstrahlung ist daher an sich gefährlicher. Die Partikeltherapie kann dieses an sich höhere Risiko deutlich reduzieren. Fälle, die mit Photonenstrahlentherapie behandelt werden könnten, können mit Partikeln mit einem geringeren Risiko der Toxizität behandelt werden. Einige Patienten, die überhaupt nicht als Kandidat für eine erneute Bestrahlung mit Photonen gelten würden, können eine erneute Bestrahlung mit einer Partikeltherapie erhalten.

    Die Partikeltherapie wird erfolgreich zur Wiederbestrahlung im Gehirn, Schädelbasis, Kopf- und Halsbereich, Wirbelsäulen-Retroperitonealbereich, Kreuzbein, Beckenwand und Para-Aortenbereich eingesetzt. Die Re-Bestrahlung mit Partikeltherapie kann auch bei isolierten lokalen Rezidiven von Leber- und Pankreastumoren durchgeführt werden.

    Die Entscheidung, eine erneute Bestrahlung anzubieten oder nicht, muss auf einer sorgfältigen und personalisierten Bewertung des Risiko-Nutzen-Verhältnisses beruhen. Dabei sind die bereits von den gefährdeten Organen erhaltene Dosis, der zeitliche Abstand zwischen der ersten und zweiten Strahlentherapie, das Vorhandensein begleitender Risikofaktoren wie andere Therapien (Chemotherapie und Operation), lokale pathologische Prozesse (Infektionen oder Nekrosen), andere Krankheiten (entzündliche Darmerkrankungen, Bindegewebserkrankungen) zu berücksichtigen. Auch die Absicht der Behandlung ist relevant: Wenn der Zweck der erneuten Bestrahlung streng auf die Symptomkontrolle beschränkt ist und eine fortschreitende systemische Erkrankung vorliegt, führt der theoretische Vorteil der Partikeltherapie nicht zu einem echten Nutzen für den Patienten.

    Es ist von enorm hoher Bedeutung, die in der vorherigen Strahlentherapie abgegebene Dosis mit größtmöglicher Präzision zu rekonstruieren. Dies erfordert einen direkten Kontakt mit der Institution, die die Behandlung durchgeführt hat, und die Übermittlung des bisherigen Strahlentherapieplans.

    Leider hat die Re-Bestrahlung, auch bei der Partikeltherapie, immer ein höheres Toxizitätsrisiko. Die Einstellung des Patienten und die Werte des Patienten müssen sorgfältig berücksichtigt werden. Letztendlich muss die Entscheidung, ob eine erneute Bestrahlung angeboten wird oder nicht, gemeinsam mit dem Patienten getroffen werden und hängt wesentlich von seinem Willen ab, das Risiko schwerer Nebenwirkungen zu akzeptieren. Es ist wichtig zu bedenken, dass die erwartete Toxizität der erneuten Bestrahlung mit der erwarteten Toxizität der Behandlungsverzicht und Tumorprogression verglichen werden muss. In Fällen, in denen ein Kandidat für eine erneute Bestrahlung in Frage kommt, ist es oft notwendig, mehrere andere Behandlungsmöglichkeiten wie Operation, Chemotherapie, systemische Therapie mit neuen Medikamenten oder die Einschreibung in experimentelle Studien zu bewerten. Um all diese Möglichkeiten zu erforschen, kann es notwendig sein, eine zweite Meinung von anderen Spezialisten einzuholen.

    Zusammenfassend kann die Partikeltherapie zur erneuten Bestrahlung angeboten werden, aber die Indikation muss notwendigerweise auf einer personalisierten Bewertung des jeweiligen Falles basieren.

     

    Sarkome

    Sarkome sind eine inhomogene Gruppe bösartiger Erkrankungen des Bewegungsapparates. Bei Erwachsenen zählen sie zu 1% der malignen Erkrankungen, bei Kindern bilden sie 12% der Malignitäten. Die Mehrheit der Sarkome (80%) hat deren Ursprung in dem Weichteilgewebe (Bindegewebe, vaskulären Strukturen, Fettgewebe), der Rest entsteht in den Knochenstrukturen (z.B. Osteosarkom oder Ewing Sarkom).

    Die Sarkome können im gesamten Bereich des axialen Skeletts auftreten, also entlang der Wirbelsäule, retroperitoneal, im Becken und in den Extremitäten. Die Radikalität der Operation ist ausschlaggebend für die lokale Kontrolle und die Prognose. Jedoch kann diese in verschiedenen Körperlokalisationen, wie paraspinal entlang der Wirbelsäule, im Becken oder im Retroperitoneum nicht im entsprechenden Ausmaß durchgeführt werden. Hier befinden sich viele sensible Organe wie das Rückenmark, Knochen, Darm, Nieren, Harnblase, Lunge, Herz.

    Bei inoperablen oder inkomplett resezierten Tumoren ist eine Strahlentherapie die einzige Therapieoption. Mit den konventionellen Photonen-Strahlentherapietechniken können die notwendigen Dosen aufgrund der zu erwartenden Toxizität nur begrenzt appliziert werden. Die Möglichkeit der Anwendung von Ionentherapie verbessert die Schonung des gesunden Gewebes. Dadurch können höhere Dosen appliziert werden, was die Lokalkontrollraten vor allem bei nicht radikal operierten Tumoren erheblich verbessert. Dadurch können Lokalkontrollraten von 70-80 % erreicht werden.

     

    Tumore der Schädelbasis

    In der Schädelbasisregion gelten die folgenden Tumorentitäten als möglicher Hinweis auf eine Protonentherapie:
    Fälle von Meningiom, Chordom, Chondrosarkom, Neurinom und Schwannom. Darüber hinaus können seltene Tumore wie Craniopharyngiom, Esthesioneuroblastom etc. und spezifische Fälle von Hypophysenadenom möglicherweise mit Ionentherapie behandelt werden. Ausgewählte Fälle von Kopf- und Halstumoren, die in die Schädelbasisregion infiltrieren, können ebenfalls durch Protonentherapie behandelt werden.

    In allen Fällen ist die Histologie ein Parameter, um sich für eine Protonentherapie zu entscheiden. Andere Faktoren wie Operationsmöglichkeiten, allgemeiner Gesundheitszustand, frühere Behandlungen usw. müssen berücksichtigt werden, um schließlich über die Indikation zur Protonentherapie zu entscheiden.

    Siehe dazu auch den Abschnitt "ZNS".

     

    Paraspinale Tumore

    Primäre paraspinale Tumore sind seltene Krankheiten (3% aller Wirbelsäulenläsionen, 10% aller Weichteilsarkome). Einige der am häufigsten an dieser Stelle vorkommenden Tumore sind Osteosarkome, Ewing-Sarkome, Chordome und Chondrosarkome; weniger häufig sind: Neurinome, bösartige periphere Nervenscheidentumore (MPNST), Glomustumore und andere. Ihre Behandlung erfordert komplexe chirurgische Eingriffe, die oft die Entfernung ganzer Wirbelkörper und benachbarter Weichteile mit umfangreichen Stabilisierungsimplantaten beinhalten. Alle inoperablen primären paraspinalen Tumore und viele der resezierten erfordern eine Strahlentherapie. Allerdings kann es aufgrund der Nähe zu kritischen Organen wie Rückenmark, Nervenwurzeln und vielen anderen, je nachdem, welche Ebene der Wirbelsäule betroffen ist (Speiseröhre und Kehlkopf für Halswirbelsäule, Herz und Lunge für Thorax, Darm für lumbosakrale Tumore usw.), schwierig sein, die Strahlentherapie mit Photonen einzusetzen.

    Die Protonentherapie kann helfen, die erforderlichen hohen Strahlendosen von oft über 70 Gy zu liefern, ohne die Dosis für den Tumor zu beeinträchtigen und gleichzeitig das nahegelegene gesunde Gewebe innerhalb der sicheren Grenzen zu halten. Möglich wird dies durch besondere physikalische Eigenschaften des Protonenstrahls, der seine maximale Dosis erst in einer genau programmierten Tiefe abgibt. Da die gesamte Bestrahlung aus Tausenden solcher Einzelstrahlen besteht, führt dies dazu, dass die kritischen Organe in der Nähe der Wirbelsäule und sogar das Rückenmark selbst fast aus der hohen Dosis, die dem Tumor zugeführt wird, herausgeschnitten werden. Je nach Tumortyp kann die Protonentherapie mit einer Kombination aus Operation (vor, nach oder beide vor und nach) und einer eigenständigen Behandlung eingesetzt werden.

    Das Ergebnis für den Patienten ist ein kontrollierter Tumor (bei Chordom und Chondrosarkom liegt die in der Literatur beschriebene Erfolgsrate nach der Protonenbehandlung deutlich über 90%) und ein langes Überleben ohne schweres Funktionsdefizit der betroffenen kritischen Organe. Paraspinaltumore bei Kindern können auch mit einer Protonentherapie behandelt werden, mit einem zusätzlichen Gewinn von wahrscheinlich weniger Risiko, in Zukunft einen sekundären, strahlungsinduzierten Tumor zu entwickeln.

     

    Schädelbasis- & ZNS-Tumore

    Der physikalische Vorteil der Protonen gegenüber der Photonen wird vor allem im Bereich des ZNS und der Schädelbasis tragend, da Tumore in diesem Bereich oft in anatomischer Nahebeziehung zu kritischen, strahlensensiblen Normalgewebsstrukturen wie z.B. Hirnstamm, optischer Apparat stehen. Therapiebedingte Langzeitfolgen können neben neurologischen und/oder kognitiven Veränderungen auch Induktion von Zweitmalignomen sein. Diese chronischen Nebenwirkungen können in einer Verminderung der Lebensqualität des individuellen Patienten resultieren.

    Bei niedriggradigen Tumoren im ZNS und Schädelbasisbereich liegt der Vorteil der Protonenbestrahlung gegenüber der Photonenbestrahlung, dass bei gleicher Dosis und Tumorkontrolle eine deutliche Reduktion der Nebenwirkungen erzielt werden kann. Symptomatische niedriggradige Menigeome stellen eine häufige Indikation zur Protonentherapie dar. Patienten mit niedriggradigen Menigeomen haben eine gute Prognose und der Erhalt der Health-related Quality of Life hat oberste Priorität hat. Die Protonenbestrahlung erfolgt sowohl im primären Therapieansatz (z.B Opticusscheiden-Menigeome), oder bei progredientem Resttumor ohne weiterer neurochirurgischer Interventionsmöglichkeit. Ziel ist es das Wachstum zu stoppen und somit möglichen tumorbedingten Einschränkungen entgegenzuwirken.

    Bei niedriggradigen Gliomen mit niedrigen Risikoprofil kann eine Partikelbestrahlung bei guter Langzeitprognose erwogen werden, da im Rahmen der Protonenbestrahlung nur niedriggradige, reversible Akut-Toxizität beobachtet wird und zusätzlich der Grad an neuro-kognitiven Veränderungen deutlich reduziert ist.

    Bei Acusticus Neurinomen kann alternativ zum Gamma-Knife oder zu einer stereotaktischen LINAC-basierten Bestrahlung eine fraktionierte Protonenbestrahlung durchgeführt werden. Vor allem bei großen Neurinomen mit Nahebeziehung zum Hirnstamm kann mit der fraktionierten Protonenbestrahlung eine mögliche Toxizität an den Hirnnerven und dem Hirnstamm reduziert werden. Andere, seltene niedrigmaligne Tumore im Bereich der Schädelbasis und des ZNS wie Hypophysen Makroadenome, Kraniopharyngeome, Germinome oder Paragangliome profitieren im gleichen Sinn von einer Protonenbestrahlung im Sinne von deutlich reduzierten Nebenwirkungsprofil wenn diese im primären oder adjuvanten Setting indiziert ist.

    Für anderen aggressive bzw. radioresistente Schädelbasistumore wie solitär fibröse Tumore/Hämangioperizytome, höhergradige Menigeome, paranasalen Karzinome mit Infiltration der Schädelbasis und Ästhesioneuroblastome/Olfaktoriusneuroblastome liegen in der Literatur vielversprechenden Daten für die Hochdosis-Protonenbestrahlung vor. Diese Therapieform ist allerdings noch nicht etabliert, und muss noch im Rahmen von Dosiseskalationsstudien bestätigt werden. Dies gilt auch für andere seltene Tumore im Bereich der Schädelbasis.

    Für aggressive ZNS Tumore, wie High Grade Gliome, sind die veröffentlichen Daten bisher nicht überzeugend. Allerdings wurden bisher nur konventionelle Therapieansätze mit Protonen publiziert. MedAustron wird in Zukunft Protokolle für diese Tumore anbieten, welche im Rahmen von klinischen Studien appliziert werden sollen.

    Bei Re-Bestrahlungen im zweiten potentiell kurativen Ansatz, insbesondere bei Feldrandrezidiven, kann Partikeltherapie durch steileren Dosisabfall von Vorteil sein.

     

     

     

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