Zehn Jahre medizinische Exzellenz und Spitzenforschung

09 Okt. 2026 Medizin
Copyright: Franz Baldauf

Vor 10 Jahren wurden die ersten Patientinnen und Patienten mit der Partikeltherapie behandelt und die ersten Forschungsgruppen nahmen ihre wissenschaftliche Arbeit auf. Heute zählt MedAustron zu den modernsten Zentren für Ionentherapie in Europa. 3.700 Patientinnen und Patienten konnten seit der Inbetriebnahme behandelt werden.

Das Jubiläum wurde heute gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Medizin, Wissenschaft und bedeutenden Kooperationspartnern im Rahmen eines Festakts in den Kasematten Wiener Neustadt gefeiert, unter ihnen Bundeskanzler Christian Stocker, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Bürgermeister Klaus Schneeberger. Unter dem Motto „10 Jahre Zukunft. 10 Jahre Hoffnung.“ wurden jene Menschen in den Mittelpunkt, für die MedAustron geschaffen wurde: die Patientinnen und Patienten.

Besonders bewegend waren die Beiträge einer Patientin und eines Patienten der ersten Stunde, die ihre persönlichen Erfahrungen schilderten. Ihre Geschichten machten deutlich, wie sich medizinischer Fortschritt ganz konkret auf das Leben von Menschen auswirkt.

Für Bundeskanzler Christian Stocker ist MedAustron ein österreichisches Vorzeigeprojekt, das medizinische Exzellenz, wissenschaftliche Leistungsfähigkeit und Innovationskraft vereint. Er würdigte zudem, dass MedAustron damit wesentlich zur internationalen Sichtbarkeit des Standorts Österreich beiträgt: „Es sind Unternehmen wie MedAustron, die durch Innovation, Forschung und Unternehmergeist Österreich in der Welt sichtbar machen. Ich gratuliere ganz herzlich zum 10-jährigen Jubiläum und wünsche allen Verantwortungsträgern und Mitarbeitern alles Gute für die weitere Arbeit. Die Innovationskraft, die von hier ausgeht, gibt Zuversicht und macht zukunftsfroh.“

Blick zurück…

In einem gemeinsamen Rückblick zeichneten der Ärztliche Direktor und Geschäftsführer Prof. Dr. Eugen B. Hug und Geschäftsführer DI Alfred Zens die Entwicklung von MedAustron von der Inbetriebnahme bis heute nach. Schritt für Schritt sei es gelungen, das Zentrum weiter auszubauen, neue Behandlungsmöglichkeiten zu etablieren und die Kapazitäten für Patientinnen und Patienten kontinuierlich zu steigern. Dabei hoben sie hervor, dass MedAustron zwar als eigenständiges Ambulatorium agiert, sein Erfolg aber auf der engen Zusammenarbeit mit zuweisenden Krankenhäusern sowie nationalen und internationalen Partnern aus Medizin und Wissenschaft beruht.

Aus Sicht von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner steht MedAustron beispielhaft für Niederösterreichs Anspruch, Gesundheitsversorgung, Forschung und Innovation auf höchstem Niveau miteinander zu verbinden: „MedAustron ist das beste Beispiel dafür, was moderne Medizin für die Menschen bewirken kann. Hinter den rund 3.700 Behandlungen stehen Menschen und Familien, die in einer besonders schwierigen Zeit Hilfe, Hoffnung und neue Lebensqualität gefunden haben. Genau darum geht es uns: medizinischen Fortschritt dort ankommen zu lassen, wo er am meisten gebraucht wird – bei den Patientinnen und Patienten. Hier in Wiener Neustadt bieten wir Behandlungsmöglichkeiten, die es weltweit nur an ganz wenigen Orten gibt, und forschen gleichzeitig daran, Krebs künftig noch besser behandeln zu können. Darauf sind wir stolz und darauf wollen wir weiter aufbauen.“

… und nach vorne

Kaum jemand kennt die Geschichte von MedAustron so gut wie Bürgermeister Klaus Schneeberger. Als das Projekt noch Vision war, setzte er sich für dessen Umsetzung ein. Zehn Jahre nach der Betriebsaufnahme ist aus dieser Vision ein international anerkanntes Zentrum für Krebsbehandlung und Forschung geworden: „Kaum ein Projekt liegt mir so am Herzen wie MedAustron. Wir haben damals an eine Idee geglaubt, die heute – zehn Jahre später – tausenden Krebspatienten neue Hoffnung schenkt. Dieses Jubiläum beweist, dass Wiener Neustadt ein europäisches Kompetenzzentrum für Innovation und medizinische Exzellenz ist. Und das Beste daran ist: Das volle Potenzial dieser Technologie ist noch lange nicht ausgeschöpft.“

Und auch zehn Jahre nach der Aufnahme des Betriebs ist das Potenzial der Ionentherapie längst nicht ausgeschöpft. Die Weiterentwicklung bestehender Behandlungsmöglichkeiten, neue Forschungsansätze und die enge Zusammenarbeit von Medizin, Wissenschaft und Technik werden die Zukunft der Krebsbehandlung entscheidend mitgestalten.

Mit Blick auf die kommenden Jahre skizzierten die Geschäftsführer die nächsten Entwicklungsschritte des Zentrums: „Wir wollen die Stärken von MedAustron in allen Bereichen weiter ausbauen: in der Patientenversorgung, in der Forschung und in der technologischen Entwicklung. Mit dem geplanten Zubau und der Entwicklung einer zweiten kompakten Beschleunigeranlage wollen wir noch mehr Patientinnen und Patienten behandeln, neue Therapiekonzepte erproben und unsere technologische Kompetenz weiter stärken. Damit schaffen wir die Grundlage für die nächsten zehn Jahre MedAustron.“

Krebsmedizin von heute und morgen

In zwei Gesprächsrunden wurde die Bedeutung die Ionentherapie heute schon für bestimmte Patientengruppen hat, welche Rolle neue Technologien und wissenschaftliche Erkenntnisse in der Krebstherapie spielen und wie es gelingt, Innovationen rasch zum Nutzen der Patientinnen und Patienten in die medizinische Versorgung zu bringen, thematisiert.

Dabei erläuterte Univ.-Doz. Dr. Michael Dworzak vom St. Anna Kinderspital, welchen Stellenwert die Ionentherapie für schwer erkrankte Kinder einnimmt, während Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Roman Dunavölgyi von der Medizinischen Universität Wien über deren Potenzial in der Behandlung von Augentumoren sprach. Mag. Dr. Elisabeth Bräutigam von der NÖ Landesgesundheitsagentur beleuchtete die Frage, wie innovative Therapien ihren Weg in die Gesundheitsversorgung finden können.

Univ.-Prof. DI Dr. Peter Ertl von der Technischen Universität Wien ging der Frage nach, welche Fragestellungen die Forscherteams mit der Infrastruktur von MedAustron zu beantworten hoffen. Univ.-Prof. Dr. Joachim Widder von der Medizinischen Universität Wien betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit von Medizin, Physik, Technik und weiteren Disziplinen für die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Andrea Olschewski von der Karl Landsteiner Universität wiederum zeigte auf, welche Rolle MedAustron als Partner der KLU bei der Ausbildung und Forschung für die nächste Generation der Medizin spielt.