Software steuert gesamten Bestrahlungsvorgang – Forschungskooperation erfolgreich abgeschlossen

Die Forschungskooperation zwischen dem Ionentherapiezentrum MedAustron und dem radART Institut der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg (PMU) wurde vor kurzem erfolgreich abgeschlossen. Entwickelt wurde dabei eine wesentliche Komponente für den Behandlungs- und Forschungsbetrieb: ein Set an Softwaresystemen, mit dem sich der gesamte Bestrahlungsablauf steuern lässt.

Im März 2012 startete die Forschungskooperation mit radART, dem Institut für Technologieentwicklung in der Strahlentherapie der PMU. Die Ausgangsbasis bot ein von den Salzburger Forschern entwickeltes System, das alle Workflows in der Strahlentherapie abbildet und in der Therapie mit Linearbeschleunigern erfolgreich im Einsatz ist. Das Ziel war eine Weiterentwicklung für den Einsatz in der Ionentherapie, da vergleichbare Programme dafür am Markt nicht verfügbar waren. Entstanden ist »ORAion«: ein umfangreiches Set an Software, das nicht nur den MedAustron-Teilchenbeschleuniger in die Therapieworkflows integriert, sondern auch Schnittstellen zu allen Medizintechniksystemen bietet.

Damit erfüllt das System eine zentrale Funktion im täglichen Betrieb von MedAustron. Es ist jene Benutzeroberfläche, von welcher aus das medizinische Personal bei MedAustron die Bestrahlung jedes Patienten steuert. Die richtige Positionierung des Patienten im Raum, die Überprüfung der Tumorposition für die Bestrahlung, die Generierung des Teilchenstrahls nach den erforderlichen Parametern – all dies wird bequem über eine Oberfläche dirigiert. Analog wird das System übrigens auch für die wissenschaftliche Anwendung der Teilchenstrahlen bei MedAustron eingesetzt.

»Die Forschungskooperation mit radART war und ist für uns immens wichtig und ich freue mich sehr über den erfolgreichen Abschluss. Das System, das in den vergangenen Jahren von den Salzburger Forschern gemeinsam mit unseren Experten entwickelt worden ist, stellt gewissermaßen das Verbindungselement der einzelnen technischen Bausteine dar. Mein Dank und meine Anerkennung gehen an das gesamte Team, das dieses umfangeiche Projekt hervorragend umgesetzt hat«, kommentiert MedAustron Geschäftsführer DI Alfred Zens die Kollaboration.

Prim. Univ.-Prof. Dr. F. Sedlmayer, wissenschaftlicher Leiter des radART Institutes der PMU: »Die Kooperation mit MedAustron war in zweierlei Hinsicht sowohl für das Uniklinikum Salzburg als auch die PMU von hohem Charme: Ein zentrales Moment bestand im Transfer von High-End Technologien, die im Zuge der Kooperation mit MedAustron entwickelt wurden, zur Nutzung in der ›klassischen‹ Strahlentherapie mit Photonen von Linearbeschleunigern. Insbesondere von den Robotik-Entwicklungen der bildgeführten Bestrahlung profitieren solcherart alle Patienten.

Zum Zweiten haben natürlich viele dieser Innovationen echten Pioniercharakter und bergen auch enormes Potential für hochreputative Fachpublikationen. Dieser Aspekt wird nebst weiterer Forschung in der jetzt angelaufenen 2. Phase der Kooperation die primäre Rolle spielen, nachdem in den letzten Jahren hochqualifiziertes wissenschaftliches Personal und Expertenwissen aufgebaut wurde.«

In der angesprochenen zweiten Phase geht es nun um den weiteren wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn aus der praktischen Anwendung des Systems.

radART zählt zu den weltweit anerkannten Instituten in der Technologieentwicklung für die Strahlentherapie. Fortschritt bei der Behandlung von Tumorpatienten liegt stets im Fokus der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung, die sich vor allem auf die Gebiete medizinische Physik, Robotik und Bildgebung konzentriert.

Im Ionentherapiezentrum MedAustron werden ab November Patientinnen und Patienten mit Protonen behandelt. In weiterer Folge werden die Behandlungsmodalitäten um weitere Strahlführungen und die zusätzliche Teilchenart Kohlenstoffionen erweitert, sodass im Vollbetrieb schließlich rund 1.000 Patientinnen und Patienten jährlich von dieser innovativen Form der Strahlentherapie bei MedAustron profitieren werden.

Zur PMU / radART Institut

Am Bild: DI Franz Coreth (Leiter IT), Johannes Hopfgartner, PhD (Medizinphysiker), DI Rejo Raj (Wissenschaftlicher Mitarbeiter radART) und Priv.-Doz. DI Markus Stock, PhD (Leiter Medizinphysik) vor der ORAion-Oberfläche in einem der Kontrollräume bei MedAustron